Aufträge und Auslastung gut, Stimmung gedrückt


Die meisten Handwerksbetriebe sind trotz Corona erfolgreich durch das Frühjahr und den Sommer gekommen. Die Pandemie drückt natürlich auf die wirtschaftliche Stimmung, trübt manche Aussichten. Noch sind vielerorts die Auslastung gut und die Mehrzahl der Auftragsbücher gefüllt. Die Stimmung ist bei 54 Prozent der Mitgliedsbetriebe gut. Sie sehen den kommenden Monaten zufrieden und zuversichtlich entgegen. Weitere 38 Prozent erwarten keine negativen Veränderungen ihrer Geschäftslage. Allen ist zu wünschen, dass es keinen zweiten Lockdown geben wird und es doch noch abwärtsgeht. Aber Prognosen sind heutzutage sicherlich schwer zu treffen.

54 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sehen ihre Geschäftslage gut und positiv (Vorjahr: 73 Prozent) und für 38 Prozent ist diese stabil und gleichgeblieben. Damit führen rund 90 Prozent der Handwerksbetriebe keine Klage.  Also 9 von 10 Betrieben.

Konjukturentwicklung

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Ungewissheit und Verunsicherung über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie drücken zwar die Stimmung, doch Aufträge und Auslastung weisen (sehr) gute bis ausgezeichnete Werte aus. Zudem halten die Betriebe an ihren Mitarbeitern fest, suchen Arbeitskräfte, stellen Lehrlinge ein und erzielen höhere Preise. 

Geschäftslage: Neben den 75 Prozent zufriedenen Firmen gibt es 13 Prozent, die gute und gestiegene Erwartungen für das kommende Jahr sehen, aber eben auch 12 Prozent, die ihre Geschäftslage als gesunken bis schlecht für die kommenden Monate bezeichnen.

Am optimistischsten sind die Gesundheitsgewerbe. Der Bausektor blickt verhalten auf die Winterperiode. Die Handwerklichen Zulieferer erwarten insgesamt eine ausgeglichene Geschäftsentwicklung.

Beschäftigung: Hier zeigt sich, wofür kleine und mittelständische Handwerksunternehmen stehen. Trotz der Herausforderungen hielten die Unternehmen an ihren Beschäftigten fest. In 85 Prozent der Unternehmen bleibt der Personalbestand konstant. Im aktuell nur schwer prognostizierbaren Konjunkturumfeld fallen die Beschäftigungspläne vorsichtig positiv aus. Deutlich zulegen wollen die Nahrungsmittel- und die Gesundheitsgewerbe. Ein leichtes Plus erwarten die Ausbaugewerbe und die Handwerklichen Zulieferer. Die Kfz-Betriebe bleiben weiterhin pessimistisch und rechnen nicht mit zusätzlichem Personal.

Auftragslage und Auslastung: Der Auftragsvorlauf der Gesamtstichprobe bewegt sich mit durchschnittlich 11,9 Wochen immer noch auf Vorjahresniveau. Um 10 Wochen ging allerdings der Auftragsbestand im Kfz-Gewerbe zurück, bei den Nahrungsmittelbetrieben um 4 Wochen. Immerhin 69 % rechnen mit gleichbleibenden Aufträgen in den nächsten Monaten. Mit sinkenden Absatzzahlen, geringer ausgelasteten Werkstätten und sinkende Erlöse im Zubehörgeschäft rechnet das Kraftfahrzeuggewerbe.

Im Gesamthandwerk erreichte diese im Durchschnitt noch 74 Prozent. Das sind 8,5 Punkte weniger als im Vorjahr. Trotz zu registrierender Rückgänge bleiben die Betriebskapazitäten in den Baugewerken gut ausgelastet. Starke Rückgänge in der Auslastung von 10 Prozentpunkten und mehr gab es in den Ausbaugewerken, bei den Handwerklichen Zulieferern, dem Kfz-Gewerbe und bei den Personenbezogenen Dienstleistern.

Eine schlechte, d.h. bis zu 50-prozentige Auslastung meldeten 9 % der Betriebe (Vorjahr: 6 %).

Investitionen: Die Investitionsbereitschaft im Handwerk ist unter dem Eindruck der Pandemie gefallen. Aktuell planen demnach nur 15% der Betriebe ein Investitionsvorhaben. Der Investitionsklimaindex als Saldo zwischen gestiegenen und gesunkenen Investitionsausgaben sank damit von minus 3 im Vorjahr auf aktuell minus 13. Einzig aus den Nahrungsmittelhandwerken kam ein deutliches Investitionssignal, denn hier erhöhten 38 % ihre investiven Ausgaben während 13 % hier Kosten senkten. In allen anderen Gewerkegruppen wurde per Saldo weniger investiert. Deutlich rückläufig ist die Investitionsbereitschaft zuletzt im Kfz-Gewerbe. Erwartungen: In naher Zukunft will mit 59 % (Vorjahr: 69 %) eine deutliche Mehrzahl der Betriebe ihre investiven Ausgaben konstant halten. Nur 9 % der Gesamtstichprobe wollen ihre Investitionen erhöhen. Einzig in den Nahrungsmittelgewerken ist der Investitionsklimaindex positiv (plus 22).

Das wirtschaftliche Wachstum in den letzten Jahren war im Handwerk geprägt von kontinuierlichen Auftragseingängen und wachsenden Auftragsvorläufen. Nunmehr verlangsamt sich die Entwicklung. Das bedeutet keine Umkehr. Die Zahlen geben keinen Anlass für Pessimismus/Verzagtheit. Vorsicht und Achtsamkeit sind dem Handwerk von jeher eigen.

Erfreulich für die meisten Betriebe: Das Handwerk in Ostbrandenburg kam bisher stabil und mit viel Motivation/Einsatzbereitschaft und Aufträgen durch die Covid-Pandemie.

Dank der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie konnten besonders betroffenen Gewerke im Handwerk bisher Schließungen abwenden.

Vorstand und Vollversammlung loben die betrieblichen Kraftakte, die die Inhaber*innen gemeinsam mit ihren Mitarbeiter*innen in den letzten Monaten bewältigten. „Sie haben, wie es dem Handwerk eigen ist, den Kopf nicht in den Sand gesteckt, sondern sich den Herausforderungen gestellt. Dabei bewies das Handwerk einmal mehr, wie es ein Land am Laufen hält, systemrelevant wie andere Branchen ist. Wichtig ist es natürlich, zum jetzigen Zeitpunkt einen zweiten Lockdown unbedingt zu verhindern. Dieser würde auch das Handwerk beschädigen. Die öffentliche Hand muss weiter an Investitionen, Aufträge für Bau- und Dienstleistungen festhalten; diese sogar ausweiten“, fordert die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg.

Michael Thieme

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